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Allgemeines über Steroide

 

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Aufgrund der heutigen Situation denkt nahezu jeder bei dem Wort Steroide sofort an anabole Steroide, dem Laien besser unter dem Namen Anabolika bekannt. Dabei wird häufig vergessen, dass die Bezeichnung „Steroide" eigentlich nur der Oberbegriff für verschiedene Steroidhormone ist. Deren Vertreter sind die Nebennierenrindenhormone (Gluco- und Mineralcorticoide), die weiblichen Sexualhormone (Östrogene und Gestagene) sowie die männlichen Sexualhormone (Androgene). Wir wollen uns in diesem Buch ausschließlich mit der zuletztgenannten Version beschäftigen. Deren wichtigster Vertreter, das Testosteron, hat der Leser schon im vorhergehenden Kapitel kennengelernt. Wenn auf den nun folgenden Seiten der Ausdruck „Steroide" ohne eine nähere Beschreibung zu lesen steht, ist damit die Gruppe der anabolen/androgenen Steroide gemeint.

Anabole/androgene Steroide sind synthetisch hergestellte Verbindungen, die dem natürlichen männlichen Androgen Testosteron ähneln. Sie werden deshalb als synthetische Abkömmlinge von Testosteron definiert. Der Hauptgrund für deren Entwicklung war die Absicht, ein Präparat zu entwickeln das die hohe anabole Wirkung von Testosteron beinhaltet, gleichzeitig aber die negativen Aspekte der ausgeprägten androgenen Komponente ausschließt. „Es wurden große Anstrengungen unternommen, um ein reines Anabolikum ohne androgene „Nebenwirkungen" zu entwickeln (Kochakian 1976; Krüskemper 1965)." Um dies zu realisieren, hat man verschiedene Änderungen am Steroidmolekül vorgenommen. Die dadurch neuentstandenen Steroide zeichneten sich entweder durch einen Wirkungsverlust mit einer schwächeren anabolen und androgenen Wirkung oder eine gesteigerte Effektivität aus, nachdem sowohl die anabole als auch die androgene Komponente verstärkt wurden. Bei manchen Steroiden resultierten die Strukturveränderungen in einer noch höheren Androgenität, aber verminderten anabolen Aktivität. Das erklärt die teilweise erheblichen Unterschiede in Wirkung, Effektivität und Nebenwirkungen der gängigen Steroide. Die Schaffung eines reinen Anabolikums, d.h. die völlige Trennung von anaboler und androgener Wirkung, ist jedoch nicht gelungen. Deshalb besitzt ein sogenanntes anaboles Steroid (Anabolikum) auch eine gewisse androgene Wirkung und dementsprechend ein androgenes Steroid (Androgen) auch anabole Eigenschaften.
Demzufolge müsste man zum schnellen Aufbau von Kraft und Muskelmasse am besten ein vornehmlich anaboles Steroid bei nur minimaler Androgenität auswählen, richtig? Leider nicht, denn die Bezeichnung anaboles Steroid sagt nämlich nichts über die Stärke der anabolen Wirkung aus, sondern beinhaltet lediglich, dass das anabole/androgene Verhältnis des Ursprungssteroides Testosteron verschoben wurde. Um dieses Verhältnis zu bestimmen und dadurch ein Steroid als Anabolikum oder als Androgen klassifizieren zu können, dient Testosteron als Parameter. Steroide, die weniger androgen sind, werden als anabole Steroide bezeichnet, während Steroide, die genauso androgen oder gar stärker androgen sind, androgene Steroide genannt werden. Wo liegt dann das Problem? Ganz einfach: Die Reduzierung der androgenen Wirkung geht auch mit einem Verlust der anabolen Aktivität einher, so dass ein Anabolikum zwar deutlich weniger androgen ist als Testosteron, aber eben auch schwächer anabol, was zu einem Wirkungsverlust führt. Bei der Lektüre der nachfolgenden Kapitel wird der Leser feststellen, dass die sogenannten „Massesteroide" ausschließlich aus der Gruppe der androgenen Steroide kommen und sowohl stark androgen als auch stark anabol sind. „...das beste Androgen, nämlich Testosteron, ist auch wieder das wichtigste Anabolikum beim Mann." (aus „Doping-verbotene Arzneimittel im Sport", Dirk Clasing, Manfred Donike u.a.). Für den Athleten entsteht nun ein Dilemma, da die androgenen Steroide nicht nur die wirkungsvolleren sind, sondern leider auch die schädlicheren. Daraus lässt sich eine gewisse Regel ableiten: Je effektiver ein Steroid ist, desto androgener ist sein Wirkstoff und desto schädlicher ist es für den Organismus.
Dem häufig zu hörenden und lesenden Vorwurf, anabole Steroide würden bei seinen Benutzern schwerste, zum Teil irreparable Schäden hervorrufen, kann deshalb nicht uneingeschränkt zugestimmt werden. Richtig ist, dass in erster Linie die androgenen Steroide für die meisten Nebenwirkungen verantwortlich sind. Eine Verallgemeinerung wie z. B. „Steroide sind leberschädlich" ist Unsinn, da Steroide nicht gleich Steroide sind.
Die ersten anabolen/androgenen Steroide kamen Anfang der fünfziger Jahre offiziell in den Handel. Schon ein Jahrzehnt später war der größte Teil der heute erhältlichen Präparate bereits auf dem Markt. Da in der Zwischenzeit nur wenig neue Steroide entwickelt wurden, kann man diese Präparate durchaus als verhältnismäßig alte Medikamente bezeichnen. Sicherlich hat es in all den Jahren auf dem Steroidsektor einige Bewegungen und Veränderungen gegeben. Viele Steroide wurden aus dem Handel genommen, manche sind unter einem generischen Namen in anderen Ländern auch wieder eingeführt worden, ein paar wenige neue kamen in den achtziger Jahren dazu, aber die großen, bahnbrechenden Weiter- bzw. Neuentwicklungen sind ausgeblieben. Nichtsdestotrotz sind Steroide nach wie vor die effektivsten unterstützenden Mittel zur Verbesserung der sportlichen Leistung. Noch in den fünfziger Jahren hielten Steroide in der Welt des Sports ihren Einzug. Eine bedeutende Rolle in der entstehenden Beziehung zwischen Steroiden und Sport spielte die Einführung von Dianabol, einem oralen Steroid, das 1956 von dem Teamarzt der amerikanischen Gewichtheber, Dr. John Ziegler, in Zusammenarbeit mit dem Pharmaunternehmen CIBA entwik- kelt wurde. Dieses Präparat und seine Nachfolger fanden Ende der fünfziger Jahre zuerst in den Kreisen der Schwerathleten, danach auch in vielen anderen Sportarten eine enorme Verbreitung.
Einen geradezu inflationären Zuwachs brachte dann die Bodybuilding-Bewegung in den sechziger und siebziger Jahren. In zunehmendem Maße wurden diese Substanzen auch von Athletinnen angewandt. 1974 fasste das IOC (Internationales Olympisches Komitee) den Beschluss, Anabolika auf die Dopingliste zu setzen. Die Olympischen Spiele in Montreal 1976 waren die ersten, wo Kontrollen auf Anabolika vorge-nommen wurden.” (aus: „Doping im Sport", von Sehling, Poliert, Hackfort). Die heutige Situation zeichnet sich durch eine ungeheure Verbreitung dieser Medikamente aus, wie Melvin H. Williams in seinem Buch „Rekorde durch Doping?" bestätigt: „Anabole Steroide sind eine Gruppe von Medikamenten, deren Konsum durch Sportler mittlerweile epidemische Ausmaße angenommen hat.
Es liegen Schätzungen vor, dass mehr als eine Million Amerikaner anabole Steroide einnehmen, einschließlich vieler Sportler und Sportlerinnen aller Altersgruppen, vom ausgereiften Profisportler bis zum pubertären Schüler. Da Steroide verschreibungspflichtig sind, hat sich ein florierender Schwarzmarkt entwickelt, der im Jahr etwa 100 Millionen Dollar Umsatz macht." Der für die USA geltende Umsatz ist sicherlich deutlich zu tief angesetzt und dürfte wohl eher für ein europäisches Land, wie z.B. Deutschland, zutreffend sein. Schenkt man den jüngsten Berichten Glauben, so ist davon auszugehen, dass allein in Deutschland ca. 200.000 Personen Dopingsubstanzen benutzen! Auch die vielen positiven Dopingtests bei den letzten Olympischen Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Einer der Gründe für den steigenden Gebrauch anaboler/androgener Steroide ist die wachsende Popularität des Bodybuilding. Es ist deutlich erkennbar, dass Bodybuilding in einer engen Beziehung mit der Verbreitung von Steroiden steht. „Der Steroidgebrauch ist in einem direkten
Verhältnis zur Beliebtheit des Bodybuilding gestiegen. Als Bodybuilding in den siebziger Jahren aus der Verborgenheit eines Subkultursportes hervorkam, wurden auch Steroide bekannter.
In den achtziger Jahren, als Bodybuilding einer breiteren Masse zugänglich wurde, galt dies auch für Steroide. Gegen Ende dieses Jahrzehnts, als Bodybuilding in den „High Schools" populär wurde, traf dies ebenfalls auf Steroide zu." (Anabolic Reference Guide, 6th Issue, 1991, W. N. Phillips). Solange ein muskulöser Körper als begehrenswert porträtiert wird und für die Verwendung anaboler/androgener Steroide kein wirkungsvoller „Natural-Ersatz" gefunden wird, ist es unmöglich Athleten von der Einnahme pharmazeutischer Mittel abzubringen. Die jüngste Popularität von Designer Steroiden zeigt, dass sich bei Athleten die Dinge durchsetzen, die ihnen helfen, ihre Ziele schneller zu erreichen. Wären Wachstumshormone zu einem vernünftigen Preis erhältlich, hätten diese eine ähnlich große Verbreitung wie Steroide.
Trotz alledem sind Steroide keine Wundermittel, da deren Effektivität von äußeren Faktoren wie Training, Ernährung, Einstellung und der genetischen Veranlagung des Einzelnen abhängig ist. Insbesondere der letzte Punkt wird entscheiden, wie der Athlet auf die Einnahme anaboler/androgener Steroide anspricht und wie der Organismus deren Verabreichung verkraftet.

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